Dienstag, 10. Dezember 2013

O Tannenbaum, o Tannenbaum

Sie ist auch im fernen Perú angekommen, die Weihnachtszeit. Alles ist irgendwie ähnlich und doch ganz anders. Genauso wie Zuhause ist in den Kaufhäusern schon seit Mitte November jede Menge Weihnachtsschmuck zu finden. Und der ist dem in Deutschland sogar ziemlich ähnlich. Dabei sollte man meinen, dass die Peruaner sich keine Schneemänner und Schneeflocken in die Fenster stellen, schließlich ist hier Sommer und von Schnee ist weit und breit keine Spur. Aber weit gefehlt. Man könnte sagen, sie belügen sich diesbezüglich selber und schmücken ihre Häuser mit Schneemännern inkulsive Schal und Handschuhen und ihre Tannenbäume mit Schneegirlanden. Apropos Tannenbäume. Der Tannenbaum in unserer Wohnung steht schon seit Mitte November und ist - sagen wir mal „üppig“ - geschmückt. Für meinen Geschmack etwas zu üppig, aber die Tochter unserer Vermieterin hat uns keine Wahl gelassen. Kugeln in allen Farben, riesige Schleifen und natürlich eine Schneegirlande zieren unseren Plastikbaum. Aber das Highlight ist die dazugehörige Lichterkette. Sie blinkt bunt in allen möglichen Farben und man kann sogar einstellen in welchem Tempo. Das Besondere kommt aber noch: Sie kann singen! Naja, okay, sagen wir düdeln. Nervig düdeln. Sie düdelt verschiedene Weihnachtlieder rauf und runter, immer begleitet von den lustig blickenden Lichtern. Aber ich will mich nicht beschweren, immerhin haben wir einen Weihnachtsbaum. Wenn auch nur aus Plastik. Erzähle ich hier im Unterricht, dass wir in Deutschland echte Tannenbäume, echten Schnee und echte Schneemänner haben, herrscht Ungläubigkeit. „Echte Schneemänner? Aber es gibt doch in Wahrheit gar keinen Schnee! Macht ihr die Nase dann wirklich aus einer Karotte?“ Schade finde ich nicht nur, dass peruanische Kinder – zumindest die aus Lima – nie die Möglichkeit haben, in der Weihnachtszeit Schneemänner zu bauen oder Schlittenzufahren, sondern auch, dass sie weder Nikolaus noch Adventskalender kennen. Was das angeht haben wir es in Deutschland ganz schön gut. Ihr solltet also nicht zu neidisch sein, dass wir Weihnachten dieses Jahr entspannt am Strand verbringen werden (und zwar ohne zu frieren) ;)

Mittwoch, 13. November 2013

Unsere erste Chirimoya



Das Essen in Peru unterscheidet sich nicht unbedingt grundlegend von dem, was ich aus Deutschland gewohnt bin. Hier gibt es Reis oder Kartoffeln oder Reis UND Kartoffeln und das jeden Tag.

Auch Zwiebeln scheinen die Peruaner ziemlich so mögen, wobei ich ihre Liebe dazu leider nicht ganz so teile. Was aber meiner Meinung nach das Beste am peruanischen Essen ist – und dafür würde mich jeder Peruaner erschlagen- ist das Obst.
Man schmeckt eben, dass die Mango nicht importiert ist, die Banane reifen durfte und die Chirimoya direkt aus der peruanischen Selva kommt. Chirimoya? Was? – Das dachte ich mir auch, als Gloria bei unserem ersten Besuch der Stadt bei einem kleinen Stand mit den verkrüppeltsten Früchten Halt machte, um uns eine davon zu kaufen. Unser Übersetzer sagte uns dann zuhause, dass Chirimoya so viel wie „Rahmapfel“ bedeutet, was uns irgendwie auch nicht mehr sagte als der spanische Name. Denn mit Apfel hat diese Frucht nicht viel mehr gemeinsam als den Namen und die grüne Farbe.
Trotz der seltsamen Form schmeckt sie auf jeden Fall wirklich gut, ein bisschen vielleicht nach Banane.
Auch etwas Tolles am peruanischen Essen ist meiner Meinung nach immer der Refresco danach- denn getrunken wird hier nach dem Essen.
Chicha Morada, Inca-Kola, „Apfel-Saft“,Karambolasaft, immer Zimt. Vielleicht bekomme ich ja dann doch trotz Hochsommer ein wenig Adventsgefühl. 

Und während Anna und ich in den Restaurants kaum noch nachfragen müssen, aus was dieses oder jenes Gericht besteht, entwickeln wir inzwischen doch einen Hang dazu, immer wieder das Gleiche zu bestellen. Als Entrada gern Tamalito und als Hauptgang verführt immer wieder das Lomo saltado dazu, die anderen leckeren Gerichte auf der Speisekarte zu ignorieren.
Ja, auch Lomo saltado gehörte am Anfang noch zu den Gerichten, bei denen wir nachfragen mussten, was das eigentlich bedeuten sollte. „lomo“, das heißt Rind, was kleingehackt zwischen einem Berg von Zwiebeln, Reis, Pommes (ja, aber frisch aus Kartoffeln zubereitet) und ein wenig Gemüse liegt. Und wenn man dann in seinem Lieblingsrestaurant für 10 Soles, also 2,70€ noch ein Spiegelei, eine gebackene Banane, einen Refresco sowieso Vor- und Nachspeise dazubekommt, wer würde sich da noch beschweren?!

Dienstag, 12. November 2013

Einmal Wüste und zurück



Man stelle sich vor: Lima, eine Millionenmetropole an der Küste mit einer Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent.
Nun setze man sich in einen Bus, fahre gut 30 km nach Süden und steige an einer Station namens Pachacámac aus.
Nun sehe man sich um: Wo sind all die Menschen? Wieso ist es hier so trocken? Wo kommt der ganze Sand her? Und was ist das für ein Berg, der ist doch nicht etwa nur aus…Sand?!
Genau so ging es uns, als wir uns auf den Weg machten, um das alte Ruinenfeld Pachacámac südlich von Lima zu besuchen. Wir stiegen aus dem Bus und befanden uns im Niemandsland. Um uns herum Sand, eine wenig befahrene Straße und eine Schranke, die den Eingang zum Museum markierte. Obwohl wir uns vorher eifrig im Reiseführer informiert hatten, waren wir nicht darauf vorbereitet, schon so bald in der Küstenwüste Perús zu stehen.
Das zuerst unendlich erscheinende Gelände, das früher angeblich Sitz eines Orakels gewesen sein soll, haben wir todesmutig zu Fuß erkundet, den bunt bemalten Touristenbus gekonnt ignoriert. Glücklicherweise, wie uns später bewusst wurde. Zwar haben die lustigen bunten Touristengrüppchen den Sonnentempel der Anlage bequemer besuchen können, die Stille und Einsamkeit in der restlichen Teilen Pachacámacs sind ihnen aber entgangen. Teilweise sind wir uns tatsächlich vorgekommen als wären wir ganz woanders, in einer weiten Wüste, ohne Millionenstadt in direkter Reichweite, umgeben von Tempel aus längst vergangenen Zeiten.




Blick auf den Sonnentempel


Das Highlight der Anlage - der Sonnentempel




Montag, 28. Oktober 2013

Straßen, Staub und Stadtverkehr





Es wird Zeit, euch von etwas zu berichten, das mich hier von Anfang fasziniert: Der Verkehr in Lima.
Hauptsächlich besteht er eigentlich aus pirata-Taxis, Bussen und Fußgängern, die sich todesmutig auf die Straße stürzen, um die kleine Lücke zwischen den Autos zu nutzen. Weil man ja sonst den ganzen Tag auf der gleichen Straßenseite stehenbleiben müsste.
Letztendlich muss man sich dem Verkehr aber nur dann so todesmutig fußgängerisch stellen, wenn man zum Bus geht oder aus dem Bus aussteigt. Ansonsten fährt man Bus. Schließlich bezahlt man hier von einem Ende der Stadt bis zum anderen nur ein paar Cent, wenn man den richtigen Bus erwischt. Und wenn man richtig Glück hat, erwischt man einen Bus, der sich dem Verkehr genauso todesmutig stellt wie man selbst als Fußgänger. Denn letztendlich gilt hier im Verkehr bloß: Surival of the fittest. Andere Verkehrsregeln lernt man hier nicht, da bin ich mir ganz sicher.
Und wenn man richtig, richtig Glück hat, erwischt man einen todesmutigen Busfahrer, der noch dazu laut gute Musik anhat.
Wenn man mal keine Lust auf Busse hat, kann man sich auch ein Taxi nehmen. Die sind zwar deutlich teurer als die Busse, kosten aber nicht einmal ein Viertel von dem in Deutschland üblichen Preis.
Zwar muss man dafür auf jegliche Sicherheitsvorkehrungen wie Kopfstützen oder Sicherheitsgurte verzichten, aber für den Preis muss man eben auch Abstriche machen.
Letztendlich denkt man sich in Limas Stadtverkehr sowieso: Entweder wir kommen hier sicher durch oder ich bin eh sofort tot. So ein Zwischending gibt es hier nicht, befürchte ich.

Freitag, 11. Oktober 2013

Wie es ist, ein Hund zu sein

Irgendwie scheint dieser Post aus unserem Blog auf mysteriöse Art und Weise verschwunden sein, also noch einmal, für diejenigen, die ihn verpasst haben:



Wenn ich so als Europäerin durch die Straßen Limas ziehe, erhalte ich jedes Mal einen Einblick in das Leben eines Hundes. Oder eines Aliens. Oder eines Alienhundes.
Tatsache ist, wir fallen auf.
Hier sind wir blond, egal wie dunkel meine Haarfarbe für deutsche Verhältnisse auch sein mag.
Hier sind wir (Anna ja eigentlich sowieso) für peruanische Verhältnisse groß. Was uns nur noch weiter aus der Menge herausstechen lässt.
Hier sind wir bleich. Hier sind wir gringas.
Und das Leben als gringa fühlt sich für mich tatsächlich ein bisschen so an wie das eines Aliens, zumindest auf den Straßen. Die neugierigen Blicke ignorierend latschen wir durch Lima und versuchen, uns irgendwie als Insel- und Dorfkind in dieser riesigen Stadt zurechtzufinden.
Wir, die als Aliens Straßenschilder und Verkehrsregeln gewohnt sind, suchen vergeblich nach Vorfahrtsschildern oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Sicherheitsabstände scheint es hier zugunsten neu eröffneter Spuren nicht zu geben. Belagert werden die Straßen übrigens fast ausschließlich von Bussen, Taxen (meist piratas) und Rikschas. Nur die Ampeln geben einem das Gefühl von Zuhause.
Nun scheinen wir aber nicht nur als Alien-gringas, sondern auch als Hunde zu gelten.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, uns wurde bisher nicht jeden Tag mindestens einmal hinterhergepfiffen. Will man die Umwelt schonen und geht die 10 Minuten bis zum Supermarkt zu Fuß, gibt man es tatsächlich auf, mitzuzählen (was ich dem Blog und den realen Fakten zuliebe wirklich vorhatte). Aber nach etwa ¾ der Strecke waren wir bei 8 Mal angelangt, wobei wir die „Ehh, gringa guapa“-Rufe dezent ignorieren. Es ging ja schließlich nur um unser Gefühl als Hund.
Im Centro Shama allerdings gibt es auch für uns Aliens ein Stückchen Zuhause. Dort sind wir ihre „chicas lindas“, ihre „hijas“ und bekommen wahrscheinlich mehr Umarmungen als jeder noch so geliebte Hund.

Wie man seine Wohnung putzt, Level: Peru



In der letzten Woche war gleich zwei Mal großes Putzen unserer Wohnung angesagt, inklusive Hausflur und Treppenhaus, nur um bösen Stimmen, die behaupten, wir seien chaotisch, gleich mal den Wind zu nehmen.  Wobei ich zugeben muss, beide Male war kein SO großer Hausputz geplant gewesen. Hier aber die Anleitung zu einem perfekten Hausputz, besonders gut geeignet bei Fliesenboden:

Man wasche seine Wäsche im nagelneuen Waschtrockner, lasse einen losen Schlauch aus seinem Loch in der Wand springen und bemerke es erst, wenn die halbe Wohnung unter Wasser steht. Dann lohnt es sich nämlich erst richtig. So jedenfalls hat es unsere Mitbewohnerin gemacht und unsere Nachbarn hatten gleich auch etwas von unserem optimalen Waschgang.
Zumindest war dies die Gelegenheit, uns endlich unseren Nachbarn vorzustellen, die zwar nicht ganz so begeistert wie wir von unserer Idee, gleich das ganze Treppenhaus zu putzen, waren, aber doch sehr erfreut über unsere Bekanntschaft schienen.

Unsere Wohnung erfreute sich schon genau eine Woche darauf neuer blitzblank geputzter Fliesen.
Unsere Toilette schien sich irgendwie zu weigern, vernünftig zu spülen, bis sie uns schließlich den Krieg ankündigte und doch noch spülte. Womit sie leider aber erst einmal nicht mehr aufhörte, bis Anna verzweifelt mit dem Besen das Wasser unter Kontrolle zu bringen versuchte, während ich Jorge, unseren Vermieter, zur Hilfe holte.
Als dieser in der Wohnung ankam, stellte er fachmännisch fest, dass er in unserer Wohnung nicht das passende „Werkzeug“ hatte, das er zur Reparatur benötigte, sodass er noch einmal zurück zum Shama gehen musste.
Zurück kam er mit einem riesigen Ast, um den er eine Tüte gewickelt hatte und mit dem er kurze Zeit später in unserem Klo rumstocherte, bis er sachkundig erklärte, dass das Toilettenpapier Grund unseres Verstopfungsproblems war.
Seitdem ziert ein Schild die der Toilette gegenüberliegenden Wand des Badezimmers.
„Toilettenpapier in den Mülleimer“.
Ihr glaubt gar nicht, wie schwierig es ist, sich das abzugewöhnen, Schild hin- oder her.

Montag, 30. September 2013

Kleine Spritztour durch die Wohnung


Öffnet man unsere Haustür, landet man direkt im Wohnzimmer, das bereits vor Ankunft mit 876 illegalen Dvds ausgestattet war

Langweilig wird uns eigentlich nicht, wenn wir aus dem Wohnzimmerfenster sehen. In grauen Staub gehüllt rennen immer irgendwelche komischen Gestalten durch die Straße, große amerikanische Trucks beliefern den winzigen Laden oder der Papaya-Mann fährt mit seinem Motorrad-Riesenkasten-Gestell durch die Straße und preist durch sein Megaphon seine neuste Ware (nicht nur Papayas, manchmal auch Herde etc.) an



Rechts davon liegt direkt die Küche mit unserem geliebten Sandwichmaker und natürlich- wir sind ja in Peru- einem Reiskocher


Mein Zimmer ziert vor allem mein 1,40 breites Bett mit nagelneuer Matratze sowie Fotos und – ganz klischeehaft- Macchu Picchu

Annas Zimmer ziert noch ziemlich viel Kram unserer Vermieterin (dafür auch ein recht großer Schrank) und eine ganze Fotowand

Zwischen Annas und meinem Zimmer liegt das Bad mit einer echt großen Dusche (und einem extra für uns angeschafften Boiler für warmes Wasser :))

Das ist unsere Straße und gleichzeitig auch unser Arbeitsweg, umringt von den Anden.
Vorne links seht ihr unser Haus- eindeutig das größte der Straße