Montag, 23. September 2013

First Impression

Nach 18h reiner Flugzeit und ermüdenden Sicherheitskontrollen stehen wir in Lima endlich mit unserem Gepäck in der Hand am Ende des Sicherheitsbereichs. Um uns herum Unmengen von Taxifahrern. „Taxi? Taxi?“ von allen Seiten, unser erstes spanisches Wort hier. Etwas verloren stehen wir zu fünft mittendrin, auf der Suche nach Mónica, unserer Koordinatorin. Kaum dass wir sie gefunden haben, geht‘s für Mareile und mich mit Gloria, die ehrenamtlich im Centro Shama arbeitet, auf in unser neues Zuhause. Auf einer breiten Straße, gesäumt von heruntergekommenen Häusern, die an südeuropäische Länder erinnern lassen, und jeder Menge Werbetafeln, fahren wir weiter in die Stadt. Nach einer guten halben Stunde dann die Frage, wo wir eigentlich sind. Die Antwort beinahe schockierend: Im Zentrum. Menschenleere Straßen, überfüllte Mülleimer, Graffiti an den Hauswänden. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich eben diese Hauswände als schicke Kolonialbauten. Ein paar Minuten später dann der erste größere Platz. Der erinnert schon eher an die Fotos aus dem Internet, aber auch noch nicht so richtig. Die Fahrt ist für uns aber noch lange nicht vorbei. Es geht wieder raus aus dem Zentrum, durch ärmlichere Straßen. Beim Blick aus dem Fenster immer der Gedanke, wo unsere Wohnung sein wird, und in welchen Verhältnissen wir wohl wohnen werden. Die Häuser um uns herum werden immer kleiner und heruntergekommener. Die Info „gleich sind wir da“ macht da nicht unbedingt Mut. Aber dann: ein Haus sticht besonders hervor, genau da hält das Taxi. Der erste Eindruck: Das sieht schon mal gut aus. Auf jeden Fall besser als alles drum herum. Dann der erste Blick in die Wohnung: Das ist doch nicht etwa… ein Fernseher??? Doch. Ein Fernseher. Und ein DVD-Player. In einem Wohnzimmer mit gemütlicher Sitzecke. Und eine gut ausgestattete Küche, ein Bad mit Warmwasser und drei einzelne Zimmer. Perfekt. Am nächsten Morgen dann der erste Blick aus dem Fenster. Schock. Das sah im Dunkeln irgendwie doch anders aus. Unser Haus scheint das einzige „bessere“ in der ganzen Straße zu sein. Wobei Straße eigentlich auch schon zu viel gesagt ist, nennen wir es „Schotterpiste“. Um unser Haus herum: niedrige, ärmliche Häuschen. Direkt vor unserem Fenster: Ein Strommast mit fetten Stacheln dran, Gefängnisstyle. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die ersten Tage hier: Ausgang nur in Begleitung. Sogar die 500m die Straße runter zu unserer Arbeitsstelle. Im Dunkeln raus? Keine Chance, viel zu gefährlich. Der Witz ist aber, dass es hier schon um 18 Uhr dunkel wird. Das erste Mal raus aus der Wohnung: Noch ein Schock. Die Slums fangen einfach direkt hinter unserem Haus an. Dass wir im ärmsten Viertel Limas leben werden, war uns zwar bewusst, aber damit hätten wir nicht gerechnet. Dicht an dicht schmiegen sich die Hütten an die Hänge. Auch die Anden beginnen direkt hinter unserem Haus. Riesig erstrecken sie sich in den Himmel, die Bergspitzen sind nur bei klarer Sicht zu sehen, also eher selten. Sowieso wundern wir uns jeden Tag aufs Neue, wo noch überall Berge auftauchen, da man sie wirklich nur bei sehr gutem Wetter vollständig sieht. Aber so gestaltet sich unser Arbeitsweg auch jedes Mal wieder spannend, weil es jeden Tag etwas Neues zu sehen gibt

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