Montag, 10. März 2014

Ein abenteuerliches Wochenende

Was stellt man sich als Normaldeutscher unter einem Wochenendtrip vor? Vielleicht ein Abstecher an den nahegelegenen Badesee inklusive Camping oder der Besuch nicht weit entfernt wohnender Verwandter. Nahe gelegen und nicht weit entfernt sind hier die Schlüsselworte.
Genauso haben wir, 5 weitere Freiwillige und ich, uns das nämlich auch gedacht. Lasst uns doch einen Wochenendtrip zur nahegelegenen Halbinsel Paracas und zur von dort aus nicht weit entfernten Oase Huacachina machen. Jetzt kommt es auf die Definition von nahegelegen und nicht weit entfernt an. Für uns, die wir mittlerweile gut 5 Monate in Lima leben, hat sich die Sichtweise auf diese beiden Worte extrem verändert. So ist es für uns völlig normal und durchaus lohnenswert geworden, je 2 Stunden im Bus zu sitzen, „nur“ um gemeinsam zu kochen. Warum also nicht für einen Wochenendtrip 6 Stunden fahren?
Aufgeteilt aufs WG-Auto der anderen und Reisebus ging es also los ins nahegelegene Paracas.
Highlight unseres Aufenthalts dort war eine Bootstour zu den Islas Ballestas, von Seevögeln, Robben und Seelöwen bevölkerten Inseln.
Klingt jetzt noch nicht über die Maßen spannend, wäre da nicht unser „Schiffbruch“ gewesen. Das Wort Schiffbruch mag übertrieben sein, schließlich war nur der Bootsmotor ausgefallen, aber dies war Anlass für eine „spektakuläre“ Rettungsaktion. Nachdem wir eine gute halbe Stunde auf dem Meer rumgedümpelt sind, mussten wir nämlich auf hoher See das Boot wechseln. Glücklicherweise  ist keiner über Bord gegangen und wir konnten die Fahrt ungehindert fortsetzen und kamen später sicher wieder an Land an. (Erwähnenswert ist hier vielleicht noch, dass eine Woche später eines dieser Boote explodiert ist…)
Nachmittags quetschten wir uns zu sechst in den Schuh, wie das kleine rote Auto der anderen liebevoll genannt wurde (ja, wurde, aber dazu später mehr), und machten uns auf den Weg auf die Halbinsel. Mit dem kleinen Auto fuhren wir durch die Wüste, wenn uns überhaupt mal andere Autos begegneten, dann meist dicke Geländewagen, ein ganz anderes Kaliber als der Schuh. Trotzdem schafften wir es damit irgendwie durch die unglaublich schöne Landschaft an den Strand zu gelangen, an dem ein Mitfreiwilliger vor mehreren Jahre schon einmal war.
 
Am nächsten Tag ging die Fahrt weiter nach Huacachina, eine Oase, die rund zwei Stunden von Paracas entfernt liegt. Für die „kurze“ Strecke machten wir es uns wieder zu sechst im Auto gemütlich. Auf halber Strecke auf der Panamericana geht plötzlich der Motor aus. Zum Glück nicht weit von einer Tankstelle entfernt, auf die wir es noch gerade so schafften. Da wir das Problem alleine nicht gelöst bekamen, riefen wir einen Mechaniker an, der sich sofort auf den Weg zu uns machte. In der Zwischenzeit rätselten wir über den geringen Benzinverbrauch des kleinen Autos und kamen zu dem Ergebnis, dass eventuell der Tank leer sei. Das schien dann auch tatsächlich der Fall gewesen zu sein, denn mit vollem Tank fuhr der Wagen wieder. Wir also alle wieder rein und weiter gings  Richtung Oase.
Das Ziel schon vor Augen, nur noch 5 Kilometer entfernt, war es dann wieder so weit. Der Wagen blieb stehen und das mitten in einem Kreisverkehr. Wir also wieder alle raus, um das Auto aus der Gefahrenzone zu bugsieren. Der Blick zurück zeigte, wir verlieren Flüssigkeit. Zu unserem Glück hielt neben uns ein Taxifahrer, der uns nach einigen Versuchen, das Auto selber zu reparieren, anbot, uns bis zur Werkstatt seines Vertrauens abzuschleppen. Nach gut einer Stunde dort und neuen Zündkerzen lief das Auto wieder und wir machten uns auf wieder auf den Weg, allerdings nicht ohne die Handynummer von Johnny, dem hilfsbereiten Taxifahrer.
 Zum Glück! Denn gute zwei Kilometer vor dem Ziel blieb der Wagen wieder stehen. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Johnny, den wir in unserer Not angerufen hatten, kam uns noch einmal zur Hilfe und schleppte uns dieses Mal zu einer anderen Werkstatt. Dort verbrachten wir eine halbe Ewigkeit ohne zu wissen, was eigentlich das Problem mit diesem Auto ist. Das war auch der Zeitpunkt, in dem das Auto unsere Zuneigung verlor und sein Name von „kleiner Schuh“ in „Atos“ geändert wurde (Es ist nämlich ein Hyundai Atos und „Atos“ erinnert an Arktos von Tabaluga und ist damit böser als „kleiner Schuh“). Nachdem immer noch keine Lösung des Problems in Sicht war, opferte sich Vinzenz, der die Oase schon kannte, beim Auto zu bleiben, und wir anderen machten uns per Taxi auf den Weg nach Huacachina, wo wir dann auch endlich heil ankamen. Der Anblick, der sich uns dort bot erinnerte ein bisschen an eine Bilderbuch-Oase. Wasser in der Mitte, drum herum eine Promenade mit Palmen, dahinter eine Reihe mit Hostels und Restaurants und im Hintergrund hohe gelbe Sanddünen unter blauem Himmel.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf zu einer Sandbuggytour inklusive Sandboarding. Obwohl es noch relativ früh war, stand die Sonne schon hoch am Himmel und ließ das Wüstenfeeling perfekt wirken. Um uns herum Dünen aus feinstem hellen Sand, über uns der blaue Himmel mit einer strahlenden Sonne und wir mittendrin. So etwas habe ich noch nie erlebt und es war einzigartig.
Das Buggyfahren war besser als jede Achterbahn und auch das Sandboarding war absolut super. Anders als erwartet, legt man sich auf die Boards und rutscht damit ziemlich hohe und steile Dünen runter, und das in einem ordentlichen Tempo. Leider war das ganze Vergnügen viel zu schnell vorbei und nach einem ausgiebigen Frühstück hätten wir uns eigentlich schon wieder auf den Heimweg machen müssen.
 Wäre da nicht eine Einladung von Johnny zum Mittagsessen gewesen. Das Haus war voll, so wie es schien, hat Johnny seiner ganzen Familie Bescheid gesagt, dass sechs Deutsche zu ihm kommen würden. Ich muss sagen, die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft von Johnny und seiner Familie haben mich berührt, besonders die Einladung zum 15. Geburtstag seiner Tochter, zu dem wir ganz sicher wieder nach Ica fahren werden. Dann aber alle mit dem Bus ;) 
 








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