Montag, 28. Oktober 2013

Straßen, Staub und Stadtverkehr





Es wird Zeit, euch von etwas zu berichten, das mich hier von Anfang fasziniert: Der Verkehr in Lima.
Hauptsächlich besteht er eigentlich aus pirata-Taxis, Bussen und Fußgängern, die sich todesmutig auf die Straße stürzen, um die kleine Lücke zwischen den Autos zu nutzen. Weil man ja sonst den ganzen Tag auf der gleichen Straßenseite stehenbleiben müsste.
Letztendlich muss man sich dem Verkehr aber nur dann so todesmutig fußgängerisch stellen, wenn man zum Bus geht oder aus dem Bus aussteigt. Ansonsten fährt man Bus. Schließlich bezahlt man hier von einem Ende der Stadt bis zum anderen nur ein paar Cent, wenn man den richtigen Bus erwischt. Und wenn man richtig Glück hat, erwischt man einen Bus, der sich dem Verkehr genauso todesmutig stellt wie man selbst als Fußgänger. Denn letztendlich gilt hier im Verkehr bloß: Surival of the fittest. Andere Verkehrsregeln lernt man hier nicht, da bin ich mir ganz sicher.
Und wenn man richtig, richtig Glück hat, erwischt man einen todesmutigen Busfahrer, der noch dazu laut gute Musik anhat.
Wenn man mal keine Lust auf Busse hat, kann man sich auch ein Taxi nehmen. Die sind zwar deutlich teurer als die Busse, kosten aber nicht einmal ein Viertel von dem in Deutschland üblichen Preis.
Zwar muss man dafür auf jegliche Sicherheitsvorkehrungen wie Kopfstützen oder Sicherheitsgurte verzichten, aber für den Preis muss man eben auch Abstriche machen.
Letztendlich denkt man sich in Limas Stadtverkehr sowieso: Entweder wir kommen hier sicher durch oder ich bin eh sofort tot. So ein Zwischending gibt es hier nicht, befürchte ich.

Freitag, 11. Oktober 2013

Wie es ist, ein Hund zu sein

Irgendwie scheint dieser Post aus unserem Blog auf mysteriöse Art und Weise verschwunden sein, also noch einmal, für diejenigen, die ihn verpasst haben:



Wenn ich so als Europäerin durch die Straßen Limas ziehe, erhalte ich jedes Mal einen Einblick in das Leben eines Hundes. Oder eines Aliens. Oder eines Alienhundes.
Tatsache ist, wir fallen auf.
Hier sind wir blond, egal wie dunkel meine Haarfarbe für deutsche Verhältnisse auch sein mag.
Hier sind wir (Anna ja eigentlich sowieso) für peruanische Verhältnisse groß. Was uns nur noch weiter aus der Menge herausstechen lässt.
Hier sind wir bleich. Hier sind wir gringas.
Und das Leben als gringa fühlt sich für mich tatsächlich ein bisschen so an wie das eines Aliens, zumindest auf den Straßen. Die neugierigen Blicke ignorierend latschen wir durch Lima und versuchen, uns irgendwie als Insel- und Dorfkind in dieser riesigen Stadt zurechtzufinden.
Wir, die als Aliens Straßenschilder und Verkehrsregeln gewohnt sind, suchen vergeblich nach Vorfahrtsschildern oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Sicherheitsabstände scheint es hier zugunsten neu eröffneter Spuren nicht zu geben. Belagert werden die Straßen übrigens fast ausschließlich von Bussen, Taxen (meist piratas) und Rikschas. Nur die Ampeln geben einem das Gefühl von Zuhause.
Nun scheinen wir aber nicht nur als Alien-gringas, sondern auch als Hunde zu gelten.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, uns wurde bisher nicht jeden Tag mindestens einmal hinterhergepfiffen. Will man die Umwelt schonen und geht die 10 Minuten bis zum Supermarkt zu Fuß, gibt man es tatsächlich auf, mitzuzählen (was ich dem Blog und den realen Fakten zuliebe wirklich vorhatte). Aber nach etwa ¾ der Strecke waren wir bei 8 Mal angelangt, wobei wir die „Ehh, gringa guapa“-Rufe dezent ignorieren. Es ging ja schließlich nur um unser Gefühl als Hund.
Im Centro Shama allerdings gibt es auch für uns Aliens ein Stückchen Zuhause. Dort sind wir ihre „chicas lindas“, ihre „hijas“ und bekommen wahrscheinlich mehr Umarmungen als jeder noch so geliebte Hund.

Wie man seine Wohnung putzt, Level: Peru



In der letzten Woche war gleich zwei Mal großes Putzen unserer Wohnung angesagt, inklusive Hausflur und Treppenhaus, nur um bösen Stimmen, die behaupten, wir seien chaotisch, gleich mal den Wind zu nehmen.  Wobei ich zugeben muss, beide Male war kein SO großer Hausputz geplant gewesen. Hier aber die Anleitung zu einem perfekten Hausputz, besonders gut geeignet bei Fliesenboden:

Man wasche seine Wäsche im nagelneuen Waschtrockner, lasse einen losen Schlauch aus seinem Loch in der Wand springen und bemerke es erst, wenn die halbe Wohnung unter Wasser steht. Dann lohnt es sich nämlich erst richtig. So jedenfalls hat es unsere Mitbewohnerin gemacht und unsere Nachbarn hatten gleich auch etwas von unserem optimalen Waschgang.
Zumindest war dies die Gelegenheit, uns endlich unseren Nachbarn vorzustellen, die zwar nicht ganz so begeistert wie wir von unserer Idee, gleich das ganze Treppenhaus zu putzen, waren, aber doch sehr erfreut über unsere Bekanntschaft schienen.

Unsere Wohnung erfreute sich schon genau eine Woche darauf neuer blitzblank geputzter Fliesen.
Unsere Toilette schien sich irgendwie zu weigern, vernünftig zu spülen, bis sie uns schließlich den Krieg ankündigte und doch noch spülte. Womit sie leider aber erst einmal nicht mehr aufhörte, bis Anna verzweifelt mit dem Besen das Wasser unter Kontrolle zu bringen versuchte, während ich Jorge, unseren Vermieter, zur Hilfe holte.
Als dieser in der Wohnung ankam, stellte er fachmännisch fest, dass er in unserer Wohnung nicht das passende „Werkzeug“ hatte, das er zur Reparatur benötigte, sodass er noch einmal zurück zum Shama gehen musste.
Zurück kam er mit einem riesigen Ast, um den er eine Tüte gewickelt hatte und mit dem er kurze Zeit später in unserem Klo rumstocherte, bis er sachkundig erklärte, dass das Toilettenpapier Grund unseres Verstopfungsproblems war.
Seitdem ziert ein Schild die der Toilette gegenüberliegenden Wand des Badezimmers.
„Toilettenpapier in den Mülleimer“.
Ihr glaubt gar nicht, wie schwierig es ist, sich das abzugewöhnen, Schild hin- oder her.