Höhe, fremde Orte, Monster.
Dann hab ich mit Judo angefangen und in den Jahren traute ich mir immer mehr zu.
Aber das ich ein Wochenende wie das letzte erleben und ÜBERleben würde, damit hätte wohl nie jemand gerechnet- ich als allerletztes.
Hätten wir nicht schon einen Blogeintrag mit "Ein abenteuerliches Wochenende" gehabt, wäre dieser Titel jetzt sicherlich meiner gewesen.
Dieses Wochenende haben wir spontan entschieden, nach Oxapampa zu fahren, einer Kleinstadt, die von österreichischen und deutschen Siedlern in der Selva, dem Dschungel, gegründet wurde.
Wieder einmal kann ich von Glück reden, meinen persönlichen peruanischen Reiseführer Gonzalo an meiner Seite gehabt zu haben, der uns nicht nur kostenlose Unterkunft sondern auch ein Motorrad beschaffte.
Meine Freude war allerdings zunächst nur von kurzer Dauer- hatte ich doch beinahe vergessen, dass Gonzalo gleichzeitig auch Adrenalinjunkie ist. So setze ich mich todesmutig aufs Motorrad. Dass wir keinen Helm dabeihaben würden, war mir von Anfang an klar gewesen, aber Sicherheitsvorkehrungen in Fahrzeugen sind mir schon lange fremd.
Als Gonzalo dann aber beschleunigt und über die steinigen Pisten düst, bereue ich meine Entscheidung ziemlich schnell. Meine Schreie ignorierend, mich sogar auslachend, zeigt Gonzalo mir nun seine ganze Surferseite. "Tranquila amor, no pasa nada".
Da bin ich mir allerdings nicht so sicher. Für mich ist glasklar, dass wir innerhalb der nächsten Sekunden sterben werden.
Wir rasen über eine Kreuzung (links-rechts-gucken, was ist das? Wo macht man sowas?) sehe ich aber etwas, dass mich erst so schockiert, dass ich kurz vergesse, Gonzalo anzuschreien und mich im nächsten Moment unendlich beruhigt.
Motorräder mit 3 Personen drauf.
Und zwar nicht 3 Erwachsene- nein, das sind unsere Bekannte, bei denen wir untergekommen sind. Miguel, seine 18-jährige Ehefrau und ernsthaft- ihr 2-Monate altes Baby.
An der nächsten Kreuzung eine weitere Familie vereint auf ihrem Motorrad, inklusive Hund.
Irgendwie beruhigetmich das und schließlich kommen wir tatsächlich lebend an einer Hütte an, in der man Warapo, ein alkoholisches Getränk aus Zuckerrohr, herstellt.
Wir knabbern an dem übriggebliebenen Zuckerrohr, Gonzalo schnitzt und stellt sich vor, sich im Dschungel verlaufen zu haben und nichts weiter als Zuckerrohr zu haben und trinkt beglückt sein Warapo.
"Ja, klar kann ich so fahren, amor".
Also fahren wir noch ein wenig herum, sehen uns die Stadt an und ruhen uns aus, denn am nächsten Morgen soll es zum Río de tigre gehen.
| Rio de tigre |
Inzwischen genieße ich die Fahrt richtig, immer tiefer in den Dschungel rein, über schlammige Pisten vorbei bis hin zu den Wasserfällen, meine einzige Angst sind inzwischen die Schlangen.
Alles andere ist mir inzwischen egal. Das Motorrad habe ich bis hierhin ja schließlich auch schon überlebt.
Die Wasserfälle sind wunderschön, umringt von moosigen Bäumen und bestimmt auch irgendwelchen bösen Schlangen.
Zurück geht es dann mit abgeschaltetem Motor bergab- unsere Bremsen funktionieren ja schließlich nicht mehr so gut. Danach über nasse Straßen, denn der typische Dschungelregen hat uns voll erwischt.
In einem Wechselbad aus Glück über den langersehnten Regen (hatte ich doch schon Ewigkeiten keinen mehr gesehen), Freiheitsgefühl und Panik gehr es also weiter.
Gerade zurück im Dorf fangen wir an zu schlingern. Platter Reifen.
"Wow, gut, dass wir jetzt nicht mehr ganz so schnell fahren, sonst wäre das vielleicht noch gefährlich geworden. Das ist deine Schuld, du bist ja unter der Leiter durchgegangen, amor".
Ja, wie gut. Sonst wäre es VIELLEICHT doch noch gefährlich geworden.
Als wir dann endlich sicher in den Bus einstiegen, denke ich, das Schlimmste wäre überstanden, aber das wäre ja zu einfach gewesen. Mit Durchschnittsgeschwindigkeit... 70?... fahren wir durch die kurvige Berglandschaft, Abhänge links und rechts, Sicherheitsvorkehrungen keine.
Überholen? - Gern. LWKS auch. Sicherheitsabstand zum Abhang: 3 cm.
Aber hier sitze ich nun, sicher und lebendig, in Lima und freue mich, schon 10 Monate in diesem abenteuerlichen Lan überlebt zu haben.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen